Sexualberatung oder Sexualtherapie

Mir fällt immer wieder auf, dass Menschen, die mit sexuellen Fragen oder Problemen auf der Suche nach Klärung bzw. Lösungsmöglichkeiten sind, spontan von Sexualtherapie sprechen. Es fehlt dabei aber an Wissen, in welchen Situationen Sexualberatung bzw. Sexualtherapie hilfreich sind.
(Die Sexualtherapie ist eine „Bezeichnung für alle psycho-therapeutischen Maßnahmen, die sich spezifischer Konzepte bedienen, mit denen sexuelle Störungen gebessert oder aufgelöst werden sollen“)

Ich möchte mit dieser Zusammenfassung zur Klärung dieser beiden Begriffe und ihrer Bedeutungen beitragen.

Vorab kann grundsätzlich festgestellt werden, eine Beratung versteht sich als Hilfestellung im alltäglichen Leben für Probleme ohne Krankheitswert. Eine Therapie zielt auf die Heilung von Krankheiten ab. Sie setzt eine gründliche Anamnese mit einer anschließenden Diagnose voraus.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sexualberatung und Sexualtherapie

Gemeinsamkeiten

Bei beiden Angeboten agieren immer ein Hilfesuchender bzw. eine Hilfesuchende und ein Helfer bzw. eine Helferin. Beide Seiten stehen dabei idealer Weise in einer vertrauensvollen Beziehung zueinander; denn nur so kann die Unterstützung gewährt und angenommen werden.

In beiden Settings finden professionelle Gespräche über die emotionale und/oder körperliche Verfassung und zu den persönlichen Problemen des Klienten oder der Klientin statt. Zunächst fühlen sich die Klienten bzw. Klientinnen zumeist hilflos. Jedoch, mit der Zeit, setzt fast immer der Prozess ein, der zur Selbsthilfe führt. Sowohl die Sexualberatung als auch die Sexualtherapie können als Einzel-, Paar- oder Gruppenveranstaltung stattfinden.

Bei beiden Formen steht der Klient bzw. die Klientin im Mittelpunkt. Der Unterstützung suchenden Person wird im direkten, persönlichen Kontakt angeboten, ihr bei der Überprüfung und ggf. Änderung der Einstellung und ihres Verhaltens zu helfen und Lösungen zu finden. Das heißt, dass der Therapeut bzw. die Therapeutin dem Klienten bzw. der Klientin mit professioneller Erfahrung und Kreativität impulsgebend und wegbegleitend zur Seite steht. So lassen sich „versteckte“ Ressourcen entdecken und nutzbar machen.

Die Sexualberatung und Sexualtherapie finden in der Regel freiwillig statt. Nur so ist die hilfesuchende Person motiviert und veränderungsbereit. In bestimmen Situationen kann die Aufnahme auch staatlich verordnet werden.

Die Behandlungsmethoden sind bei der Sexualberatung und Sexualtherapie ähnlich, da beide auf gleiche psychologische Grundkonzepte und Menschenbilder zugreifen. Ich möchte an dieser Stelle ergänzen, dass sich meine beratende Tätigkeit durch einen deutlichen Focus auf die Wahrnehmung körperlicher Vorgänge, ihre Wirkung auf das sexuelle Erleben und die Möglichkeit, das eigene sexuelle Erleben zu gestalten, unterscheidet.

Unterschiede

Im alltäglichen Leben sind die Übergänge vom „Gesund-Sein“ zum „Krank-Sein“ fließend. So sind auch die Grenzen zwischen Sexualberatung und Sexualtherapie fließend.

Die Sexualberatung deckt vorwiegend den präventiven „gesunden“ Bereich ab. Inhalte sind vor allem grundsätzliche Informationen, Basiswissen zum sexuellen Erregungsaufbau von Frauen und Männern. Es geht um die Kompetenz, körperliche Impulse wahrzunehmen, zu deuten, zu benennen und zu gestalten.

Die Psychotherapie und damit auch die Sexualtherapie, ist eine Heilbehandlung für Leidenszustände mit „krankheitswert“.

Das Honorar für die Sexualberatung wird, als ein entwicklungsorientiertes Unterstützungsangebot, nicht von den Krankenkassen übernommen.

Die Psychotherapie zählt zu den Gesundheitsberufen. Aus diesem Grund werden die Therapiekosten, auch der Sexualtherapie, bei Beantragung von vielen Krankenkassen anerkannt.

In Deutschland gibt es sehr viele unterschiedliche Beratungsangebote. Für die Sexualberatung ist der Ausbildungsweg gesetzlich nicht geregelt. Meine professionellen Kompetenzen finden Sie hier https://sexualberatung-und-seminare.de/profil/ und hier https://sexualberatung-und-seminare.de/sexocorporel/

Die Sexualtherapie ist eine Richtung der Psychotherapie. Seit 1999 regelt das Psychotherapiegesetz in Deutschland den Aufgabenbereich und die Ausbildung der in der Psychotherapie tätigen Personen. Die Diagnose psychischer Erkrankungen ist durch das Klassifikationssystem ICD10 definiert.
Therapeutische Psychologen und Psychologinnen haben nach einem abgeschlossenen Psychologiestudium eine mehrjährige Ausbildung zum Psychotherapeuten bzw. zur Psychotherapeutin absolviert. Heilpraktiker oder Heilpraktikerinnen, mit einer „auf dem Gebiet der Psychotherapie begrenzten Erlaubnis“ (dem sog. „Kleinen Heilpraktikerschein“) sind ebenfalls berechtigt, Sexualtherapie anzubieten.

Der Zugang zur Sexualberatung ist für jeden und jede offen, der bzw. die in der Lage ist, das anfallende Honorar aufzubringen. (Hinweis: Der „Fonds Sexueller Missbrauch“ ist ein Hilfsfonds für Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kindheit oder Jugend. Er richtet sich an alle Betroffenen, die als Minderjährige auf deutschem Staatsgebiet sexuell missbraucht wurden und heute noch unter den Folgen des Missbrauchs leiden. https://www.fonds-missbrauch.de)

Der Zugang zur Sexualtherapie erfolgt über ein Gutachten zur Therapiebedürftigkeit, welches von der Krankenkasse genehmigt werden muss. Psychotherapeuten arbeiten eng mit Ärzten bzw. Psychiatern zusammen, damit Klienten ggf. an sie weitergeleitet und medikamentös behandelt werden können.

Gerne klären wir während eines ersten Gesprächs, ob Ihr Anliegen besser in der Sexualberatung oder der Sexualtherapie aufgehoben ist.